Zitate

Fotoausschnitt Buber mit Notizbuch

Hier haben wir wichtige und spannende Texte Bubers versammelt und geben einen kleinen Einblick in die verschiedenen Bereiche seiner Arbeit. Bisher finden Sie hier Worte aus Die Schrift, Die Erzählungen der Chassidim, weitere Textauszüge aus dem Gesamtwerk und einige Stimmen aus Briefwechseln. Die Sammlung wird noch ein wenig erweitert, allerdings kann dies nur einen kleinen Einblick in das Werk Bubers gewähren und wir bitten um Verständnis, wenn der eine oder andere bekannte oder besonders schöne Text vielleicht nicht oder auch noch nicht enthalten ist.

Schöpfung

Wäre es möglich, daß einer von seiner Person solcherweise ein psychphysisches Inventar aufnähme, daß er sie in eine Summe von Eigenschaften auflöste, wäre es weiter möglich, daß er jede dieser Eigenschaften und all ihr Zusammentreten enstehungsgeschichtlich zurückverfolgte bis auf die primitivsten Lebewesen, - gelänge so eine lückenlose genetische Analyse dieses Individuums, seine Ableitung

Die Strafrede

Als Rabbi Nachum von Tschernobil in seiner Jugend einmal beim Baalschem war – es war der Sabbat, an dem man die große Fluchrede aus der Schrift liest, und den man daher, um das schlimme Wort zu umschreiben, den Sabbat der Segnungen nennt –, wurde er im Bethaus zur Thora gerufen, und zwar sollte er eben der Vorlesung der Fluchrede assistieren. Es verdroß ihn, daß ihm gerade dieser Abschnitt zugefallen

Die Kuh

Es wird erzählt: »Zu jener Zeit, als der heilige Maggid von Zloczow noch in der Verborgenheit lebte, war er so arm, daß seine Frau keine Schuhe hatte und in selbstgemachten Pantoffeln ging. Er pflegte damals oft von Sabbat zu Sabbat zu fasten und kam dann unter der Woche nicht aus dem Lehrhaus heim. Die Frau verkaufte allmorgendlich die Milch der einen Kuh, die sie besaßen, und ernährte vom Erlös

Mensch und Mensch begegnen

Auf einer Fahrt erfuhr Rabbi Jehuda Zwi von Stretyn, daß Rabbi Schimon von Jaroslaw in der entgegengesetzten Richtung desselben Weges fahre. Er stieg aus dem Wagen und ging ihm entgegen. Aber auch Rabbi Schimon hatte von seinem Nahen gehört, war ausgestiegen und kam ihm 20 entgegen. Sie begrüßten einander brüderlich. Dann sprach Rabbi Jehuda Zwi: »Jetzt ist mir der Sinn des Spruchs aufgegangen:

Glaube nicht

Der Lubliner sagte: Wenn dir alle Großen Israels sagen, daß du ein Gerechter seist, so glaube es nicht. Selbst wenn dir der Prophet Elija oder ein Engel des Himmels erscheint und sagt, du seiest ein Gerechter, glaube es nicht. Und selbst wenn der Unendliche dir sagt, daß du ein Gerechter seiest, so glaube es allein für den gegebenen Augenblick, schon aber nicht für den nächsten.

Gottesfinsternis

Die Zeiten der großen Probe sind die der Gottesfinsternis.Wie wenn die Sonne sich verfinstert,und wüßte man nicht, daß sie da ist,würde man meinen, es gäbe sie nicht mehr,so ist es in solchen Zeiten.Das Antlitz Gottes ist uns verstellt,und es ist, als müßte die Welt erkalten,der es nicht mehr leuchtet.Aber die Wahrheit ist, daß gerade erst danndie große Umkehr möglich wird,die Gott von uns

Die siebzig Sprachen

Rabbi Löb, Sohn der Sara, der wandernde Zaddik, erzählte: »Einmal war ich bei dem Baalschemtow über Sabbat. Gegen Abend vor der dritten Mahlzeit saßen schon die großen Schüler um den Tisch und warteten auf sein Kommen. Dabei unterredeten sie sich über einen Spruch des Talmuds, um dessen Bedeutung sie ihn befragen wollten. Es war der Spruch: ›Gabriel kam und lehrte Josef siebzig Sprachen.‹

Die schwere Buße

Einem, der den Sabbat unwissentlich entweiht hatte, weil sein Wagen gestürzt war und er, wiewohl in gewaltsamem Laufschritt, die Stadt nicht vor dem Anbruch der heiligen Frist erreichte, erlegte der junge Rabbi Michal eine harte und lange Kasteiung als Buße auf. Der Mann hielt sich mit aller Kraft dazu, das Vorgeschriebene zu erfüllen, merkte aber bald, daß sein Leib nicht standhielt, sondern zu

Wohltun

Rabbi Mosche von Kobryn war der Sohn von Dorfleuten, die mit schwerer Arbeit ihr Leben fristeten. Als er ein Knabe war, kam eine Hungersnot über Litauen, die Armen schwärmten mit Weib und Kind aus den Städten übers flache Land, um sich Nahrung zu suchen. Auch durch das Dorf, in dem Mosches Eltern wohnten, zogen täglich Scharen Bedürftiger. Seine Mutter mahlte Korn auf einer Handmühle und buk

Begegnung

"Ich kenne keine Fülle mehr als die jeder sterblichen Stunde an Anspruch und Verantwortung. Weitentfernt davon, ihr gewachsen zu sein, weiß ich doch,daß ich im Anspruch angesprochen werde und in der Verantwortung antworten darf, und weiß, wer spricht und Antwort heischt. Viel mehr weiß ich nicht. Wenn das Religion ist, so ist sie einfach alles, das schlicht gelebte Alles in seiner Möglichkeit